Enttäuschte Erwartungen

Das MBO-Team hatte sich den neuen Hauptanteilseigner selbst ausgewählt und einen Finanzinvestor erwartet.

Um so größer war die Enttäuschung, als er sich schon kurz nach der Übernahme als äußerst „aktiv gestaltend“ entpuppte. Denn eigentlich sollte der Buy-Out helfen, die ungeliebten Konzernfesseln abzustreifen und aus angestellten Managern endlich freie Unternehmer zu machen.

Das war wohl auch die gehörte Botschaft vor dem Deal. Nach dem Deal ist auch noch anderes zu hören: Eher kurzfristig orientierte Renditeerwartungen der Investoren stehen der mittel- bis langfristig orientierten Lebensperspektive des Miteigentümer-Managements gegenüber. Die selbstbewusst in Anspruch genommene „unternehmerische Freiheit“ kollidiert mit Reporting-Anforderungen des Investors. Kurzum: Es knirscht gewaltig.

Dabei ist aus dem Rollenwechsel heraus die fast „mustergültige“ Dynamik in der Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat leicht zu verstehen – wenn man von außen drauf schaut. In einem zweitägigen Workshop mit allen Beteiligten bringen wir diese Dynamik auf den Tisch. Diese Klärung unausgesprochener „Wahrheiten“ wirkt für alle Beteiligten enorm entlastend. Die erlebten Enttäuschungen (und Verletzungen) können wir nicht rückgängig machen. In den folgenden Arbeitsmeetings mit Management und Investoren gelingt es jedoch zunehmend, die Störfelder zu reduzieren – auf der Basis realistischer Erwartungen.